Eine Vision soll Realität werden
Tagblatt 5. August 2008
Das vom Herisauer Markus Lieberherr mitbegründete Entwicklungshilfeprojekt in Togo arbeitet erfolgreich. Auf das kommende Jahr hin soll mit dem Bau eines zweiten Zentrums im Norden des Landes begonnen werden.
Bereits vor zwei Jahren berichtete die Appenzeller Zeitung über das Entwicklungshilfeprojekt «P.2T.P» (un pour tous, tous pour un, dt., Einer für alle, alle für einen) in Togo, das vom Herisauer Markus Lieberherr 1999 mitinitiiert wurde. In den vergangenen 30 Monaten ist im Dorf Davié einiges gegangen. «Wir sind quantitativ gewachsen», sagt der 31jährige Lehrer. Die Anzahl Kindergärtler stieg von 60 auf 70, die Bildungspatenschaften wurden mehr als verdoppelt (von 13 auf 40). Auch konnten mehr Erwachsene in Alphabetisierungskursen unterrichtet werden (70 statt 40). Die anerkannte Nicht-Regierungs-Organisation «P.2T.P» betreibt im Dorf Davié rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Lomé entfernt ein Zentrum, das aus diversen Schulungsräumen, einem Kindergarten sowie einem Atelier besteht. Im Atelier werden Frauen zu Schneiderinnen ausgebildet. Aktuell bereitet die Volontärin Silvia Mettler aus Speicher die Lehrlinge auf die Abschlussprüfung vor.
In den letzten Monaten hat «P.2T.P» sein Betätigungsfeld erweitert. Neu kümmert sich die Organisation auch um Kinderarbeitssklaven. Schätzungen gehen davon aus, dass rund zehn Prozent der meist notleidenden Familien Togos mit Hilfe falscher Versprechungen die Kinder weggenommen werden. Diese werden dann im In- oder angrenzenden Ausland als Arbeitssklaven auf Plantagen oder Steinbrüchen eingesetzt. Viele werden häufig missbraucht. Das Martyrium der Kinder dauert zum Teil mehrere Jahre. Im Bereich der Arbeitssklaven arbeitet «P.2T.P» mit der Organisation «Terre des Hommes» zusammen, das in Lomé ein Therapiezentrum betreibt. «Wir haben 40 Kinder übernommen und kümmern uns um die Nachbetreuung», sagt Markus Lieberherr. Zu den weiteren Aufgaben gehört die Prävention. So wurden im letzten Jahr unter anderem zwölf Radio-Shows gestaltet. «Die Zusammenarbeit mit ist für uns eine Anerkennung. Das bedeutet, dass wir gute Arbeit machen», so Markus Lieberherr.
«P.2T.P» ist ein Gemeinschaftsprodukt von Markus Lieberherr und Aoufoh Sibiti. Der Herisauer Lieberherr kümmert sich heute noch vorwiegend um die Finanzierung, der Togoer Sibiti ist der Geschäftsführer vor Ort und die treibende Kraft in der Organisation. Schon seit längerem will Sibiti im ärmeren Norden des Landes ein zweites Zentrum aufbauen. «Das Projekt ist nun weit mehr als nur eine Vision. Die Pläne stehen. Es fehlt nur noch die Finanzierung», sagt Markus Lieberherr. Die Baukosten für die fast identische Anlage wie in Davié betragen 75 000 Franken. Ein Drittel davon ist dank Spendenüberfluss aus dem Trägerverein bereits gedeckt. Klappt es mit der Geldbeschaffung, soll im nächsten Jahr mit den Bau auf dem 2 ha grossen Gelände begonnen werden. Der Vollbetrieb ist für 2012 vorgesehen. Mit den aktuellen Mitgliederbeiträgen wären theoretisch beide Zentren nur knapp finanzierbar. Daher strebt man eine Steigerung der Anzahl Mitglieder auf über 100 an. Der Trägerverein von «P.2T.P» hat seinen Sitz in Herisau. Präsident von «Suisse-Togo» (so der offizielle Name in der Schweiz) ist Markus Lieberherr. Der Verein zählt zurzeit 60 Mitglieder und Gönner, die grösstenteils aus dem Ausserrhoder Dorf stammen. (dsc)
Ein Kindergarten für Davié
Tagblatt, 28. Februar 2007
Mitgliederversammlung des Trägervereins suisse-togo
Herisau. 43 000 Franken hat der 2004 gegründete Trägerverein suisse-togo im vergangenen Jahr für Entwicklungsprojekte in Togo eingesetzt. 99 Prozent der Spenden kamen dem Kindergarten, der Schneiderinnenschule, Bildungspatenschaften und den Alphabetisierungskursen zugute.
Der Herisauer Markus Lieberherr absolvierte im Jahr 1999 seinen Fremdsprachenaufenthalt während dem Lehrerseminar in einem Landwirtschaftsprojekt in Togo in Westafrika. Damals war kaum abzusehen, dass daraus ein beispielhaftes Entwicklungsprojekt entstehen würde.
Aus kleinen Anfängen ist in Davié, etwa 35 km nördlich der Hauptstadt Lomé, ein Bildungszentrum entstanden – mit Unterstützung aus der Schweiz. Über 100 bedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden unterrichtet. Das Projekt trägt in Togo den Namen «P.2T.P» (un pour tous, tous pour un) und ist von der Regierung im September 2004 als NGO (Nicht-Regierungs-Organisation) anerkannt worden.
Trägerverein suisse-togo
Der in Herisau gegründete Verein hat aktuell 42 Mitglieder und einige Gönner und Interessierte. Mit Geld und Materialtransporten unterstützt er die Projekte in Togo. Ziel ist es, Menschen in Togo auszubilden, damit sie sich in die Arbeitswelt integrieren können und sich ihre Lebensqualität verbessert. Angesprochen sind bedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich eine Ausbildung nicht leisten können. Direktor und Leiter ist Aoufoh Sibiti, ein ursprünglich aus dem Norden von Togo stammender Einheimischer. Zusammen mit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern setzt er sich mit Leib und Seele für die verschiedenen Projekte ein. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen.
Neuer Kindergarten
Das grösste Projekt im vergangenen Jahr war der Bau eines neuen Kindergartens, weil die bisherigen Räume zu klein wurden. Für 17 000 Franken wurde ein Gebäude erstellt, in dem nun 64 Kinder in zwei Klassen unterrichtet werden können. Kinder in Togo gehen im Alter von vier bis sechs Jahren in den Kindergarten. Ganz wichtig ist das Erlernen der französischen Sprache, der Amts- und Unterrichtssprache in Togo. Die Einweihung im Herbst war ein grosses Fest mit viel Prominenz, Eltern, Kindern und Besuchern aus dem Dorf. Das staatliche Fernsehen berichtete darüber und zeigte in der Tagesschau das Zentrum und Ausschnitte aus den Ansprachen der Ministerin für Kinderrechte und des Leiters. Eine Herisauer Stiftung finanziert die Anschaffung von Schulbänken, Unterrichtsmaterialien und Spielsachen.
Schneiderinnen-Schule
In Togo, einem der ärmsten Länder Afrikas, ist die Arbeitslosigkeit enorm hoch. Vor allem bedürftige Jugendliche, Witwen und alleinerziehende Mütter haben ohne Hilfe kaum die Chance, einen Beruf zu lernen und selbständig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Schneideratelier bietet 17 Ausbildungsplätze für Frauen an, die während einer zwei- bis dreijährigen Lehre ausgebildet werden und mit der Abschlussprüfung ein staatlich anerkanntes Diplom erwerben können.
Am Einweihungsfest des Kindergartens konnten die ersten Schneiderinnen ihr Diplom entgegen nehmen. Sie hatten auch die Möglichkeit, eine mechanische Nähmaschine günstig zu erwerben, um dann in ihrem Dorf ein eigenes kleines Geschäft gründen zu können.
In Togo werden über 40 verschiedene Sprachen gesprochen. Wer kein Französisch versteht oder lesen kann, steht im Alltag oft vor schwierigen Situationen. In den Alphabetisierungskursen, die vor allem auch für Frauen sehr wichtig sind, nahmen im vergangenen Jahr rund 30 Männer und Frauen teil. Neben der französischen Sprache gibt es auch Unterricht in Hygiene, einfacher Buchhaltung, Ernährungslehre und Familienplanung. Auch bei diesem Angebot kann am Schluss eine Prüfung mit anerkanntem Diplom abgelegt werden.
Bildungspatenschaften
Oft sind es kleine Geldbeträge, die Kindern und Jugendlichen die Türe zu Schule oder Universität öffnen. In Zusammenarbeit mit einer einheimischen Organisation wird genau abgeklärt, wer wirklich Unterstützung benötigt. Es geht zum Beispiel um die Bezahlung des Schulgeldes oder von Schulmaterial. Ein Student bekommt die Monatsmiete von 5 Franken für sein Zimmer an der Universität. Im kommenden Jahr sollen 30 Schüler, Studenten und Lehrlinge unterstützt werden.
Projekt im Norden von Togo
Die Mitgliederversammlung diskutierte auch über den Aufbau eines zweiten Projektes im Norden von Togo. Der Verein hat vor zwei Jahren bereits ein zwei Hektaren grosses Stück Land geschenkt erhalten. Der Vorstand erhielt den Auftrag, die Realisierbarkeit zu prüfen und der nächsten Mitgliederversammlung ein Projekt vorzulegen. Ein wichtiger Punkt wird sein, ob neue finanziellen Mittel gefunden werden können und wie die Leitungsfrage vor Ort gelöst werden soll. (pd)
